Mit diesem Lied erweisen seit fast 170 Jahren zum Anfang des Maimonats katholische Christen deutscher Sprache der Mutter unseres Heilands ihren Gruß. Es ist eines von vielen Liedern, in denen wir – in vielen Sprachen – unsere Liebe und Verehrung bezeugen und ihre Fürsprache erbitten.
Viele Völker ehren sie als Patronin ihrer Heimatländer. Ja, Maria könnte sogar als Patronin für unsere Europäische Union in Anspruch genommen werden. Schauen Sie sich die Europaflagge an – und dann lesen Sie im letzten Buch der Bibel: Offenbarung des Johannes, cap. 12,1: „… ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“
Diese zwölf Sterne – und dann auch noch auf blauem Grund, der Farbe für die Himmelskönigin – die hatte Anfang der fünfziger Jahre der Elsässer Robert Schumann erdacht; nach dem Krieg gegen Ende der vierziger Jahre kurzzeitig Ministerpräsident und über mehrere Jahre Außenminister Frankreichs. Er zählt zusammen mit dem Italiener de Gasperi, dem Belgier Spaak und Konrad Adenauer zu den politischen Vätern Europas. Übrigens alle vier katholisch!
Anfang der Fünfziger wurde auch über eine Europaflagge nachgedacht. Mit einem Kreuz-Symbol – nach dem Vorbild der skandinavischen Länder. Das war in der damaligen französischen Politik nicht durchsetzbar; die führenden Politiker – außer Schumann – waren laizistisch und wenig kirchenfreundlich eingestellt. Aber die Idee, zwölf Sterne, zu einem Kreis geordnet als Zeichen für die europäische Völkerverbrüderung, die konnte Schumann seinen Politikerkollegen schmackhaft machen. Die müssen wenig bibelkundig gewesen sein! Oder anders ausgedrückt: clever ausgetrickst!
Zwar ist es den engagierten Christen unter den europäischen Politikern nicht gelungen, in einer Europa-Charta die ausdrückliche Berufung auf GOTT als Quell menschliches Rechts festzuschreiben. Trotzdem ist unser Europa – mit Maria im Flaggensymbol – bestens ausgestattet!
Und wenn wir mir unseren Lieder und Litaneien um die Fürsprache der Gottesmutter bitten, dann können wir auch die Bitte hinzufügen:
„Heilige Maria, bitte für die Völker Europas!“
Ihr Pfarrer i. R.
Bernd Bogensberger