Katholische Pfarrei Sankt Gertrud Eisleben

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Eisleben, Sankt Gertrud

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Im dem Jahre 1805 wurden erstmals nach der Reformation wieder katholische Gottesdienste gehalten. Zweimal im Jahr kamen Priester aus Aschersleben bzw. Halle und feierten mit den zugezogenen Katholiken in Privatwohnungen Hl.Messe. Für das in Eisleben stationierte Husarenregiment wurde ebenfalls katholischer Militärgottesdienst gehalten.

Die Zahl der katholischen Gläubigen wuchs langsam an.

Der Bekennerbischof Dr. Conrad Martin aus Paderborn sicherte den Eisleber Katholiken zu, als er im Juni 1858 anläßlich einer Visitationsreise und Spendung des Sakramentes der Firmung in Eisleben weilte, ihnen einen eigenen Priester zu entsenden.

Pfarrer Anton Kemper war der erste katholische Priester, der sich seit der Reformation in Eisleben niederlässt. Er traf am 30.12.1858 in Eisleben ein. Im Januar des folgenden Jahres wurde Eisleben ein ständige „Missionspfarrei“.

 

Nach dem es Pfarrer Kemper gelungen war, im Jahre 1863 ein Grundstück in der Nikolaistraße zu erwerben, konnte am 12.09.1865 die erste St. Gertrud Kirche eingeweiht werden. Bischof Dr. C.Martin konsekriete diese Kirche dann1867.

Der Bau und die Eröffnung der katholischen Schule am Nikolaikirchplatz im Jahre 1882 war ein bedeutungsvolles Ereignis. Eine katholische Privatschule gab es schon seit 1854, zu eine Zeit also, wo es noch keinen Priester vor Ort gab. Den Lehrkräften dieser Schule sind große Verdienste beim Aufbau katholischen Gemeindelebens zuzuschreiben.

Bis zur Schließung durch die Nazionalsozialisten im September 1939 konnte ein reger Schulbetrieb durchgührt werden.

Der Erwerb eines weiteren Grundstückes, des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters am Klosterplatz, ermöglichte es, dass sich von 1869 bis zur Schließung auf Grund des Kulturkampfgesetzes 1875 Benediktinerinnen aus Osnabrück hier neiderließen.

Das Grundstück war dann eine gute Voraussetzung für den der heutigen St. Gertrud Kirche.

Im Laufe der Jahre wuchs die Pafrrei durch die zunehmende Industriealisierung und den damit verbundenen Zuzug von Bergleuten und Arbeitern aus Schlesien, Italien, Polen und dem Eichsfeld. Ein reges Vereinsleben begleitete diese Entwicklung. Von den zahlreichen Vereinen der damaligen Zeit (z. B. Knappenverein, Männerverein, Gesellenverein, Mädchenschutzverein, Marianische Frauenkongregation u.v.m.) ist heute noch der Kolpingverein in unserer Gemeinde aktiv. Ein wichtiges Datum in der Entwicklungsgeschichte der Gemeinde war die canonische Errichtung der Pfarrei St. Gertrud am 06.02.1891.

Die kleine Gerturdkirche in der Nikolaistraße konnte die in Eisleben und Umgebung lebenden Katholiken (um 1907 ca. 3000) nicht mehr fassen.

Ein neuer Kirchbau war erforderlich. Ehe im Jahr 1914 der erste Spatenstich gemacht wurde, vergingen einige Jahre, in denen man sich durch Spendensammlungen und „Bettelbriefe“, die Pfarrer Josef Westermann verschickte, auf diesen Bau vorbereitete.

Am. 04.Oktober 1914 konnte dann der Grundstein für die heutige St. Gertrud Kirche am Klosterplatz gelegt werden. Die Wirren des ersten Weltkrieges führten zu Bauverzögerungen. Dennoch konnte der Paderborner Weihbischof Dr. Hähling von Lanzenauer diese Kirche am 15. November 1916 konsekrieren. Arbeiten in den folgenden Jahren vervollständigten und verschönerten das Kirchenbild (z.B. Hochaltar, Kanzel). Der Bau der Orgel wurde 1928 vollendet. Drei Jahre später kamen die Glocken hinzu. Sei sind der hl. Gertrud, der hl. Mechthild und dem hl. Bruno geweiht. Die kleine Marien-Glocke kam 1958 hinzu.

Die Zeit des Faschismus und des Zweiten Weltkrieges ging auch an der Gertrud-Gemeinde nicht spurlos vorüber. Das Vereinsleben zerbrach, die Schule wurde geschlossen, die Fronleichnamsprozession durfte nicht mehr auf öffentlichen Straßen stattfinden, Gottesdienstzeiten wurde vorgeschrieben und Hausdruchsuchungen im Pfarrhaus und der Vikarie wurden duch die Gestapo durchgeführt.

Als Vizentienerinnen aus Paderborn 1941 die Schwesternstation im Pfarrhaus bezogen, wurde Dechant Franz Wiemer von der Gestapo aus Halle vorgeladen und aufgefordert, die Schwestern wieder fortzuschicken oder zum Ablegen ihrer Ordenstracht zu bewegen. Er lehnte diesde Forderungen ab. Die Schwestern verließen Eisleben dann aber 1942. Kurze Zeit später kamen Schönstätter Marienschwestern. Sie druften Zivilkleidung tragen. In der Gemeinde wirkten sie bis 1968 (u.a. Katechese, Kindergarten, Krankenpflege).

Trotz der Schikanen der Nazis ging das Gemeindeleben aber weiter. Kurz nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen wurde am 01. Mai 1945 der katholische Kindergarten in dem Gebäude der ehemaligech Schule eröffnet. Auch die Fronleichnansprozession konnte wieder in der Öffentlichkeit stattfinden. Mehr als 4000 Gläubige nahmen daran teil.

In den Nachkriegsjahren zählte die Pfarrei fast 16000 Mitglieder, bedingt durch die vielen Katholiken, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Zur Pfarrei gehörten seit diesem Zeitpunkt bis 1974 stets zwei Vikare.

Eine Renovierung und vor allem eine neue Ausgestaltung der Kirche im Sinne der vom II. Vatikanum ausgehenden Erneuerungen waren erforderlich.. Pfarrer Franz Hübner nahm sich dieser Aufgabe an. Eine Menge an Arbeiten und Veränderungen fielen anso z. B. Die Erneuerung des Außenputzes, neue Fenster, neue Kirchenbänke und ein neuer Altar aufgestellt. Diese wurde dann am 14. November 1971 durch Bischof Johannes Braun konsekriert.

Mit dem Wechsel der Pfarrer 1982 ergab sich die Situation, dass die Pfarrvikarie Sittichenbach von Eisleben aus mit betreut wurde. In der Kuratie Hedersleben wirkte bis 19?? eine Seelsorgshelferin.

Das Ende der kommunistischen Diktatur und die neuen gesellschaftlichen Bedingungen ermöglichten der Gemeinde neue Aktivitäten. So wurde am 01.03.1991 eine Caritas-Sozialstation eröffnet.

Für den Bau eines großzügigen Gemeindehauses auf dem Pfarrgelände wurde am 15.11.1992 der Grundstein gelegt. Die Einweihung fand im Juli 1994 statt.

Im Jahr 1993 wurde auch die Renovierung und Umgestaltung der Kirche abgeschlossen.

Der Chorraum wurde weiter in das Kirchenschiff hinein gezogen, so dass der Altar mehr in die Mitte gerückt wurde. Fasadenanstrich und eine Dachneueindeckung einschließlich der Kupferhaube für den Turm gehörten zu den äußeren Veränderungen.

Seit 1997 hat die Pfarrei eine ständigen Diakon,  Herrn Norbert Malina.

Im Bistum Magdeburg (errichtet 1994) wurde unter Bischof Leo Nowak 2002 ein Pastoraler Zukunftsprozeß (PZG) auf den Weg gebracht und die entsprechenden Dekret 2004 in Kraft gesetzt. Auswirkungen davon waren u.a. eine Reorganisation des Bistums. Mit dem Ziel, neue, den Verhältnissen angepasste, Pfarreien zu bilden, wurde auch in Eisleben ein Gemeindeverbund mit der Pfarrvikarie Osterhausen-Sittichenbach, der Kuratie Hedersleben und Pfarrvikarie Hergisdorf gebildet. Dieses Ansinnen ging hier im Vergleich zu anderen Gemeinden recht problemlos einher. Zum einem gab es schon seit Jahrzehnten für Sittichenbach und Hedersleben eine enge Beziehung zur Pfarrei Eisleben. Zum anderen gab es in dieser Phase keinen Pfarrerwechsel. Die Gemeide Hergisdorf kam mit bischöflicher Genehmigung zu dem Verbund dazu. Dieses Zusammenwachsen und die Formulierung der Möglichkeiten und der Perspektiven wurde in einer gemeinsamen Pastoralvereinbarung niedergeschrieben. Im Juni 2009 wurde sie beim Bischof Dr. Gerhard Feige eingereicht. Im Rahmen seiner Pastoralvisitation im Februar 2010 überreichte er die fromale Bestätigung dieser Vereinbarung. Ein Überarbeitung und Konkretisierung der Maßnahmen wurde im ersten Halbjahr 2010 vorgenommen.

Im Sommer 2009 ging Pfarrer Dieter Tautz in den Ruhestand und bezog eine Wohnung im Kloster Helfta. Der bis dahin zweite Priester in Eisleben, Kooperator Pfr. B. Schacht, wurde versetzt. Am 01.September 2009 trat Pfarrer Michael Schwenke (zuvor Zörbig) im Gemeindeverbund Eisleben seinen Dienst an.

Mit großer Anteilnahme reagierten nicht nur die katholischen Gemeindemitglieder, sondern auch eine große Öffentlichkeit der Stadt und der Umgebung auf den plötzlichen Tod von Pfarrer Dieter Tautz. Er starb am 03. Dezember 2009 im Alter von 75 Jahren.

Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Gertrud

  • Anton Kemper 1858 -1885
  • Friedrich Schulte 1885 - 1890
  • Christian Schwermer 1890 - 1892
  • Franz Meintrupp 1893 - 1907
  • Josef Westermann 1907 - 1927
  • Dr. Franz Voigt 1927 - 1932
  • Augustin Scheele 1932 - 1941
  • Franz Wiemer 1941-1964
  • Franz Hübner 1964 - 1982
  • Dieter Tautz 1982 - 2009
  • Michael Schwenke 2009

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 03. April 2010 um 13:32 Uhr